Sehr geehrte Steuerberaterin,
sehr geehrter Steuerberater!

So fest und unerschütterlich wie früher sind Mandatsverhältnisse heute leider nicht mehr. Die Bereitschaft, den Steuerberater zu wechseln, hat zugenommen. Dies mag zum Teil der gestiegenen Preissensibilität der heutigen Unternehmergeneration geschuldet sein. Auf der anderen Seite reicht es vielfach den Mandanten nicht mehr aus, „verwaltet“ zu werden. Insbesondere kleine und mittelgroße Gewerbetreibende, aber auch Freiberufler, wollen aktiv beraten und unterstützt werden. Wird der Steuerberater diesem Anspruch nicht gerecht oder erledigt er die ihm erteilten Aufträge nicht innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens, hat dies schnell die Kündigung des Mandats zur Folge.

Der Ärger über einen Mandatsverlust führt in der Praxis nicht selten zu überzogenen Reaktionen. Besonders gerne wird hinsichtlich der Datenbestände „nachgekartet“. Aussagen wie „Soll doch der neue Berater die Daten eingeben“ oder „Wenn ich schon alles herausgeben muss, dann aber nur gegen Kostenerstattung“, sind keine Seltenheit.

Beim Mandatswechsel gilt jedoch der Grundsatz, dass der Steuerberater verpflichtet ist, einen reibungslosten Mandatsübergang sicher zu stellen. Hierzu gehört die zeitnahe Herausgabe der Unterlagen ebenso wie die Übertragung der vollständigen elektronischen Datenbestände.

Diese Verpflichtung besteht allerdings nur, wenn der Mandant das Honorar komplett gezahlt hat. Stehen noch Honorare zur Zahlung offen, kann und sollte sich der Steuerberater auf sein Zurückbehaltungsrecht berufen.

Mit dieser Ausgabe wollen wir Sie über die allgemeinen Rechtsfragen bezüglich der Herausgabepflichten bei Mandatsbeendigung informieren und darlegen, in welchen Fällen Sie von Ihrem Zurückbehaltungsrecht Gebrauch machen können und was Sie dabei beachten müssen.

Die sich in diesem Zusammenhang stellenden technischen Fragen der Übertragung elektronischer Datenbestände, ob durch Datenübertragungsbeleg, Stick oder CD, beantwortet Michael Schmitt von der DATEV-Niederlassung Freiburg sehr anschaulich in einem Gastbeitrag. Die an Beispielen erläuterte Darstellung der verschiedenen Varianten wird Ihnen in der Praxis sicher behilflich sein.

Ich wünsche eine aufschlussreiche und interessante Lektüre!

Ihr
Michael Klaeren

Ausgabe September 2013