Sehr geehrte Steuerberaterin,
sehr geehrter Steuerberater!

Die Vereinbarung einer höheren Vergütung als der, die sich aus der StBVV ergibt, ist auch nach der Novellierung der Verordnung in einigen Bereichen notwendig. Wenn beispielsweise für eine Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) nach § 35 Abs. 1 Nr. 4 StBVV eine Eröffnungsbilanz erstellt werden soll, kann ohne besondere Vereinbarung bei in der Regel anzusetzenden Mindestgegenstandswerten hierfür nur eine Gebühr zwischen € 19,50 und € 46,80 (5/10 – 12/10) in Rechnung gestellt werden. In solchen Fällen hilft nur der Abschluss einer Vergütungsvereinbarung. Welche Möglichkeiten § 4 StBVV eröffnet, aber auch, welche Anforderungen diese Norm stellt, erfahren Sie im ersten Artikel dieser Ausgabe.

Bei Praxisübertragungen geht es in der Regel um viel Geld. Entsprechend hoch ist die Zahl der Streitfälle, die im Rahmen von Vermittlungen vor den Steuerberaterkammern und bei Klagen vor den Gerichten verhandelt werden. Ein Urteil des Landgerichts Düsseldorf aus dem vergangenen Jahr, welches allerdings noch nicht rechtskräftig ist, soll all diejenigen, die einen Verkauf ihrer Praxis ins Auge gefasst haben, zur Vorsicht mahnen. Im Rahmen der Urteilskommentierung werden weitere, bei Kanzleiübertragungen immer wieder auftauchende Problemstellungen aufgezeigt und erläutert.

Ein Dauerthema im Rahmen von Betriebsprüfungen ist die Frage der Ordnungsmäßigkeit einer Buchführung im digitalen Zeitalter. Ganz aktuell hat das BMF am 09.04.2013 den Entwurf eines Schreibens zu den „Grundsätzen zur ordnungsgemäßen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff (GoBD)“ zur Verbändeanhörung vorgelegt, mit dem die GoBS, die GDPdU sowie die „Fragen und Antworten zum Datenzugriffsrecht der Finanzverwaltung“ zusammengefasst und aktualisiert werden sollen. Das Schreiben stellt in vielen Punkten überzogene und lebensfremde Anforderungen an die Ordnungsgemäßheit der Buchführung, die zum Widerspruch herausfordern. Die zwei gerichtlichen Entscheidungen, die wir in dieser Ausgabe kommentiert haben, liefern Ihnen eine gute Argumentationshilfe, wenn der Betriebsprüfer meint, die Buchführung sei wegen fehlenden Kontierungsvermerken auf den Belegen nicht ordnungsgemäß.

Ich wünsche eine aufschlussreiche Lektüre!

Ihr
Michael Klaeren

Ausgabe Juni 2013