Sehr geehrte Steuerberaterin,
sehr geehrter Steuerberater!

In gebührenrechtlichen Auseinandersetzungen geht es vor Gericht in aller Regel um die Frage, ob die in Rechnung gestellten Gebühren angemessen im Sinne des § 11 StBVV sind. Gutachter müssen beauftragt werden und sicher kann man sich bei der Festlegung der Gebühr eigentlich nie sein. Dieses Problem kann dadurch umgangen werden, dass man mit dem Mandanten eine Vergütungsvereinbarung trifft. Eine solche macht auch dann Sinn, wenn kein höheres Honorar als das, was bei „normaler“ Abrechnung nach der StBVV anfallen würde, vereinbart wird. Dass solche Vergütungsvereinbarungen möglichst präzise ausgestaltet sein sollten, versteht sich von selbst: alle Unklarheiten gehen zu Lasten des Steuerberaters. Da Steuerberatungsmandate Dauermandate sind und täglich neue, bislang nicht bekannte Aufträge hinzukommen können, sollte eine Vergütungsvereinbarung auch in die Zukunft gerichtete, bislang unbekannte Tatbestände erfassen. Kollege Dr. Feiter zeigt anhand eines aktuellen Urteils die Fallstricke auf und gibt Gestaltungs- bzw. Formulierungshinweise.

Nachdem der BGH im Jahre 2006 das Nachbesserungsrecht des Steuerberaters in den Fällen, in denen das Mandat gekündigt wurde, verneint hat, häufen sich die Fälle, in denen der Nachfolgeberater auf Kosten des Vorberaters Fehler desselben behebt. Es liegt auf der Hand, dass hier Streitigkeiten vorprogrammiert sind. Einerseits wird bestritten, dass tatsächlich Fehler gemacht wurden, andererseits werden die Kosten der Fehlerbeseitigung als zu hoch und damit als Verstoß gegen die Schadenminderungspflicht gesehen. Ein interessantes und sehr aufschlussreiches Urteil hat das Landgericht Kleve zu dieser Problematik gefällt.

Der Poststreik ist vorbei, wie aber geht man mit den verspätet zugestellten Steuerbescheiden um? Die Antwort hierauf finden Sie unter der Rubrik „Allgemeine Praxisfragen“.

Auch wenn wir uns alle bemühen, sorgsam und fehlerfrei zu arbeiten, sind Haftungsfälle nicht auszuschließen. Worauf jeder Steuerberater dabei achten sollte ist, dass er entweder via Rechtsform und/oder besser noch zugleich via vertraglicher Vereinbarung die Haftung möglichst so begrenzt, dass das Privatvermögen auch bei hohen Haftungssummen verschont bleibt. Eine interessante Frage hierzu hat ein Leser an uns herangetragen.

Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre!

Ihr
Michael Klaeren

Ausgabe Juli 2015